Man kann durchaus sagen, dass das Gesundheitssystem und die Gesellschaft bei der Prävention und bei der Frühintervention psychischer Erkrankungen versagen. Die Prävention wird unterteilt in Primäprävention vor jedweden Anzeigen einer Erkrankung, die Sekundärprävention bei den ersten Anzeichen einer Erkrankung  und die Tetriärprävention zur Verhinderung einer Verschlimmerung der Erkrankung.

Die Bedeutung psychischer Gesundheitsstörungen für Arbeitsunfähigkeitszeiten, Frühberentung und Krankenhausbehandlungskosten nimmt zu. Gerade bei den ersten Anzeichen einer relevanten Erkrankung durch Arbeitsunfähigkeitszeiten geht keine Alarmglocke an. Die gesetzlichen Krankenkassen sind da wenig innovativ.

Psychisches Leiden wird über Jahre verschleppt; dadurch nehmen nicht nur die Behandlungskosten zu, sondern auch die Leidenszeiten, die beeinträchtigten Lebensjahre.

Das System der Versorgung bzw. der Behandlung psychischen Leidens in der gesetzlichen Krankenversicherung ist nach dem Motto konzipiert:  Psychotherapie erst dann wenn wirklich nötig. Gerade auch bei psychosomatischen Störungen soll erst einmal bewiesen werden, dass es an der Psyche liegt. Da wird erst das Ausschlussverfahren in Gang gesetzt: Erst einmal ein Kernspin, EEG, ein Computertomogramm, ein Herzkatheter. Erst dann... Bösartige Zungen sagen: Hauptsache die technische Medizin (Industrie) verdient. In diese technische Medizin sind dabei zu oft die Ärzte eingebunden, mit der Technik kann/muss verdient werden, weil das eigentliche Heilen durch Gespräche „grottenschlecht“ (bezahlt ) repräsentiert ist...

Seit dem 1. April 2017 können Präventionsgespräche auch für gesetzlich Krankenversicherte über die Orientierungsgespräche dargestellt werden.  "Mustergültig" ist die Zusammenarbeit mit dem Betriebsärztlichen Dienst einer Kieler Industriefirma.

Es geht um individuelle Einzelprävention nach dem Motto „Der Blick nach den Gründen, warum sich jemand nicht entspannen oder abschalten kann oder ab und an zu viel trinkt, ist gut.“

„Diagnostik steht vor der Therapie“ ist ein allgemeines gutes ärztliches Prinzip. Auch für die Durchführung und Umsetzung gezielter und damit nicht frustrierender Prävention.

Gerhard Leinz, 16 Juni 2017