Die Grundannahme der Verhaltenstherapie ist, dass jegliches Verhalten, das wir zeigen, im Laufe des Lebens erlernt wurde. Die Lebensgeschichte eines Menschen ist eine ganz persönliche Lerngeschichte. Wenn ein Kind auf die Welt kommt, ist es geprägt durch den Gen-Mix, den es von den Eltern geerbt hat. Das Kind hat neben seinen naturgegebenen Instinkten ein elternähnliches Aussehen, ein vergleichbares Temperament, ist vielleicht sehr sensibel, hat bestimmte Stärken, zum Beispiel im Rechnen, aber auch Schwächen, zum Beispiel ein geringes musikalisches Rhythmusgefühl, usw.

Wie dieses einmalige Kind nun optimal mit den vielfältigen Anforderungen im Leben zurechtkommt, lernt es vorrangig von seinen Eltern, aber auch von anderen Menschen in seiner Umgebung. Einerseits lernt das Kind durch Beobachtung: Wie gehen die Anderen zum Beispiel mit Enttäuschung oder Wut um? Was erreichen sie mit diesem Verhalten? Andererseits erhält das Kind ständig Bewertungen für das eigene Verhalten. Es wird gelobt für erwünschtes Verhalten und bestraft für unerwünschtes. Den Bewertungsmaßstab bilden dabei die jeweiligen Regeln der Erwachsenen. Letztendlich entwickeln sich so ganz persönliche erfolgreiche Verhaltensmuster.

Nun kann es aber sein, dass man in eine Situation gerät, in der die Verhaltensregeln anders sind als in der Familie, zum Beispiel am Arbeitsplatz. Wurde man zum Beispiel in der Familie nur gelobt, wenn man stets hilfsbereit war, kann man im Arbeitsleben schnell die Grenzen der Belastbarkeit überschreiten, wenn man nicht „Nein“ sagen kann. Dies verunsichert, kann überfordern und schlimmstenfalls erkrankt man psychisch und/oder körperlich.

Verhaltenstherapie hilft aus diesem Teufelskreis heraus. Zunächst wird die persönliche Lerngeschichte analysiert. Warum erkranke gerade ich in meiner jetzigen Lebenssituation an dieser psychischen Erkrankung? Wie komme ich da heraus? Neue, situationsangemessenere Verhaltensweisen werden dann in der Verhaltenstherapie Schritt für Schritt erlernt. Die erfolgreiche Umsetzung im Alltag stärkt das Selbstvertrauen und das persönliche Wohlbefinden. Die Krankheitssymptome verschwinden, die Seele heilt.

Verhaltenstherapien werden von Frau Brokelmann, Frau Wojcik und Frau Warnke durchgeführt.

 

Gerhard Leinz, 23. Oktober 2018